Hans-Peter Hutter hat für Plastic Planet die Ergebnisse interpretiert
Hintergrund:
Im Rahmen einer Vorstellung von „Plastic Planet“ im Gartenbaukino erklärten sich 40 Personen (20 Frauen, 20 Männer; Alter 20 bis 40 Jahre) auf unser Ersuchen bereit, sich Blut abnehmen zu lassen. Darüber hinaus füllten sie einen Kurzfragebogen aus (Fragen zu Alltagsverhalten wie z.B. Trinken aus Plastikflaschen, Zeit vor Computer und Fernseher).
Die Blute wurden als zwei Mischproben (eine Probe aus dem Blut der Frauen und eine aus dem Blut der Männer) dem Umweltbundesamt zur Analyse übergeben. Untersucht wurde v.a. auf Chemikalien, die in Plastikprodukten enthalten sind: Flammschutzmittel (Polybromierte Diphenylether, PBDE), Weichmacher (Phthalate), Duftstoffe (Polyzyklische und Nitromoschus-Verbindungen) und weitere wichtige Industriechemikalien (Bisphenol A, Nonylphenol, etc.)
Ergebnisse:
Die Ergebnisse aus den Fragebögen zeigten, dass sich die beiden Gruppen hinsichtlich ihres Alltagsverhaltens nicht signifikant voneinander unterscheiden. Dies spiegelt sich auch in den Analyseergebnissen wider. Frauen und Männer waren gleich stark belastet.
BPDE: Neun bzw. zehn von insgesamt 20 Verbindungen konnten im Blut der Kinobesucher nachgewiesen werden. Die Konzentrationen waren zwar gering, jedoch zeigte es sich erneut, dass viele verschiedene Flammschutzmittel in den Körper der Menschen gelangen.
Phthalate: Erwartungsgemäß wies Diethylhexylphthalat (DEHP), ein (früher) besonders häufig eingesetzter Weichmacher, die höchsten Konzentrationen von allen untersuchten Verbindungen auf.
Die zweithöchste Konzentration wurde für Nonylphenol gefunden. Auch Bisphenol A und Octylphenol waren bei Männern und Frauen nachweisbar.
Bei den Duftstoffen fand sich nur die heutzutage wichtigste Substanz, nämlich Galaxolid, in den beiden Mischproben.
Schlussfolgerungen:
Da es sich um zwei Mischproben handelt, lassen sich zwar keine Schlüsse auf die einzelnen Personen ziehen. Die durchschnittlichen Konzentrationen entsprechen in etwa den in Industrieländern üblicherweise in der Bevölkerung auftretenden Belastungen.
Allerdings wurden bereits bei ähnlichen Werten in epidemiologischen Studien zum Teil gesundheitliche Effekte beobachtet. Diese betrafen Auswirkungen u.a. auf die Fortpflanzungsfähigkeit oder das Körpergewicht (Übergewicht).
Zusammenfassend bestätigen diese Ergebnisse, dass sich im Blut der Bevölkerung eine hohe Zahl von (bedenklichen) Chemikalien – u.a. aus Kunststoffen freigesetzt - befinden. Daher sind strengere Regelungen, was den Einsatz von Chemikalien in Plastikprodukten, etc. betrifft, aus ärztlicher Sicht dringend notwendig.
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Download Umweltbundesamt Bericht